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Lohnt sich in 2020 noch der Bau einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach?

Solarpanel für Warmwasser auf dem Einfamilienhaus-Dach

Durch die aktuelle Klimadiskussion gewinnt das Thema Solarenergie und grüner Strom wieder an Aufmerksamkeit. Aber wie schaut es in 2020 aus, lohnt sich die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach für Privatpersonen?

Beim Bau unseres Einfamilienhauses von knapp 10 Jahren mussten wir auch eine Solaranlage installieren. Diese nutzen wir jedoch nicht zur Heizungsunterstützung und auch nicht zur Stromgewinnung, sondern nur zur Erwärmung von Wasser (wird dann auch Solartherme genannt) um unseren Gasverbrauch zu reduzieren.

Erst sobald die Solarpanele Strom erzeugen spricht man von Photovoltaik. Und „früher“ bzw. bis noch vor wenigen Jahren war das auch ein großes Thema. Selber Strom erzeugen, diesen ins Netz einspeisen, vergüten lassen und schwups, nach wenigen Jahren war die gesamte Anlage finanziert. Ab dann wurde Gewinn gemacht. Ganz so leicht – bzw. eher ganz so schnell – geht das heute nicht mehr, denn die Einspeisevergütung sinkt fast schon monatlich.

Allerdings sorgen die Probleme des Klimawandels für einen aktuellen Aufschwung. Während es früher oftmals eher um Kosteneinsparungen und mögliche Gewinne durch eine Solaranlage ging, rückt mittlerweile der Faktor Nachhaltigkeit und saubere Energie verstärkt in den Fokus. Greta und Fridays for Future sei dank, dass diese Themen seit Monaten wieder an Aufmerksamkeit gewinnen.


Nachfrage des Begriffs Photovoltaik auf Google. Quelle: Google Trends

Nachfrage des Begriffs Photovoltaik auf Google. Quelle: Google Trends

Aber bei aller Umweltpolitik fragen sich natürlich dennoch viele Privatpersonen, ob sich der Aufbau einer eigenen Photovoltaik-Anlage auf dem Dach überhaupt lohnt?

Photovoltaik-Anlage: Eine Berechnung

Bei den üblichen privaten Dimensionen einer Solaranlage (Nennleistung der Photovoltaik-Anlage unter 10 kWp) kann man in 2020 aktuell mit rund 10-11 Cent rechnen wenn man den Strom ins öffentliche Netz einspeist. Aktuell kostet der Strompreis pro Bezug Kilowattstunde aber rund 30 Cent. Ein schlechtes Geschäft also!

Aber lohnt sich nicht stattdessen vielleicht die Anschaffung der Anlage für den privaten Stromverbrauch? Also statt den Strom einzuspeisen, ihn einfach selber zu nutzen?

Ein Solarpanel für 1 kWp benötigt ca 9 Quadratmeter und generiert dann in unseren Gegenden rund 750-1000 kWh Strom pro Jahr. Bei Kosten von 30 Cent pro Kilowattstunde könnte man somit auf eine Ersparnis von 225-300 Euro pro Jahr kommen.

  • 2 kWp = 18 Quadratmeter –> 1500-2000 kWh = 450-600 €
  • 4 kWp = 36 Quadratmeter –> 3000-4000 kWh = 900-1200 €
  • 6 kWp = 54 Quadratmeter –> 4500-6000 kWh = 1350-1800 €

Ein Einfamilienhaus mit 4 Personen hat pro Jahr einen Stromverbrauch von ca. 4.500-6.000 Kilowattstunden. D.h. mit einer Photovoltaik-Anlage die 6 kWp erzielt wäre der Verbrauch theoretisch zu decken.

    Was man dabei aber leicht übersieht:

  • Man benötigt dafür satte 54 Quadratmeter an Fläche! D.h. mal eben ein paar Solarpanele aufs Garagendach stellen ist deutlich zu wenig. Man muss dabei schon das gesamte Dach zupflastern. Ein einzelnes Panel kommt dabei überlicherweise auf ca. 1,6 Quadratmeter bei Kosten von rund 200 Euro (Preise liegen je nach Qualität zwischen 150 und 350 Euro). Um auf die 6 kWp zu kommen, benötigt man rund 54 Quadratmeter. Dies entspricht ca 33 Solarpanelen die dann ab 5.000 Euro bis über 10.000 Euro kosten können.
  • Der Strom entsteht tagsüber, wenn die Sonne scheint. Und üblicherweise sind die meisten Menschen genau dann arbeiten und können ihn nicht verbrauchen. Morgens und Abends, wenn der private Stromverbrauch zumeist deutlich höher ist, liefert die Anlage den wenigsten Strom. D.h. man muss dann dennoch wieder Strom vom Stromanbieter beziehen. Wer darauf verzichten möchte, muss sich einen kostspieligen Stromspeicher – quasi eine große Akku-Batterie kaufen. Ausreichend große und qualitativ hochwertige Geräte kosten hier aber leicht zwischen 5 und 7.000 Euro zusätzlich.
Solarpanel der Photovoltaik-Anlage auf dem Garagendach

Solarpanel der Photovoltaik-Anlage auf dem Garagendach

Im Markt gibt es allerdings auch noch günstigere Komplettanlagen die bei 30-35 qm Platzbedarf satte 6kWp versprechen. Im Komplettpaket mit Wechselrichter und Lithium-Ionen-Speicher werden diese Anlagen für um 10.000 Euro angeboten. Wie man bei dieser vergleichsweise geringen Solarfläche auf diese Leistung kommt, bleibt mir allerdings ein Rätsel.

Gehen wir also von rund 10.000 Euro an Kosten für ein Einfamilienhaus aus. Die Installation sollte dabei jedoch unbedingt durch einen Elektriker durchgeführt werden. Zumindest teilweise für die kritischen Stellen. Das Aufstellen und Verbinden der Panele kann auch in Eigenarbeit durchgeführt werden. Kosten Elektroinstallation: mindestens 300 Euro.

Der Fakt, dass für den Eigenverbrauch teils eine EEG-Umlage gezahlt werden muss können wir vernachlässigen, da man mit solch einer dimensionierten Anlage unter den zahlungspflichtigen Grenzen liegt.

In dieser beispielhaften Kalkulation würde sich die Investition in eine Solaranlage dann nach ca. 6-8 Jahren rechnen. In den Folgejahren würden sich sogar Gewinne erzielen lassen. Und je höher der aktuelle Strompreis steigt, desto höher wird das Einsparpotential.

Ist eine Photovoltaik-Anlage also die beste Geldanlage überhaupt?

    Unsere Rechnung basierte natürlich auf ein paar Annahmen, die es als Grundvoraussetzung überhaupt zu erfüllen gilt:

  • Eine Dachfläche mit der benötigten Größe steht zur Verfügung
  • Die Ausrichtung (Richtung sowie Stellwinkel) ist optimal und es gibt keine größeren Schatten auf den Solarzellen (man erreicht also einen hohen Wirkungsgrad).

Sind diese Faktoren zutreffend, ist es schwer gewichtige Argumente gegen diese lohnende Investition zu finden.

Aber warum hat dann nicht jedes Haus eine entsprechende Anlage auf dem Dach? Man muss sich dabei etwas den Verlauf der Kosten und Preise ansehen die diese Rechnung wesentlich beeinflussen:

1. Der Strompreis lag nicht immer bei 30 Cent pro kWh.
–> Je höher dieser Preis, desto lukrativer wird die eigene Stromerzeugung.

2. Der Preis für Photovoltaik-Anlagen hat sich für Verbraucher sehr günstig entwickelt. So sind die Kosten pro erzeugter Einheit kWp in den letzten rund 10 Jahren um mehr als 70% gesunken.
–> Je niedriger dieser Preis, desto lukrativer wird die eigene Stromerzeugung.

Ausblick: Es ist davon auszugehen, dass sich beide Faktoren auch in den nächsten Jahren in die eingeschlagenen Richtungen entwickeln. Strompreis rauf, Kosten für die Anlage runter. D.h. die Produktion von Strom durch Sonnenenergie wird sich in den folgenden Jahren weiterhin positiv entwickeln.

Wir gehen zudem davon aus, dass das Thema durch den gesellschaftlichen Fokus auf Bewegungen wie Friday for Futures, Greta oder der möglichen Reaktivierung von Atomstrom (und deren zu erwartenden Gegenprotesten in der Bevölkerung) weiter an Fahrt aufnehmen wird.

Und wer weiss, vielleicht wird die Installation einer Photovoltaik-Anlage auch zur Pflicht beim Bau eines neuen Hauses? Hört sich unrealistisch an? Das hätte vor vielen Jahren auch kaum einer bei den Solaranlagen zur Warmwassergewinnung gedacht und nun sind sie schon lange Vorschrift.

Eine kleine Photovoltaik-Anlage zum Ausprobieren?

Wo und wie mit dem Thema anfangen? Am besten noch mal beim Fachmann oder gängigen Ratgebern im Internet informieren. Aber zugegeben, eine Investition von rund 10.000 Euro kann und will nicht jeder sofort tätigen. Wer sich dennoch nicht nur theoretisch in das Thema einlesen will, könnte sich zb. zum Anfang eine kleine Plug’n’Play Solaranlage bestellen. Für 400-600 Euro gibt es bei Amazon sehr einfache Anlagen die einige hundert produzieren.

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